Sehen,
Reichen und Schmecken
Die Verkostung von Weinen erfolgt im wesentlichen durch drei
Sinnesleistungen: Sehen, Riechen und
Schmecken.
Einen Wein zu verkosten oder zu prüfen bedeutet durch
subjektives vorgenommene Wahrnehmungen die Merkmale des Weines
herauszufinden und zu beurteilen. Man prüft zuerst das
äußere Erscheinungsbild des Weines,
dann seinen Geruch und schließlich
den Geschmack. Als einfache Formel einer
Verkostung gilt Color (Farbe) , Odor
(Geruch) und Sapor (Geschmack).
Für eine gelungene Weinverkostung sollte
man keinen Schnupfen haben, Zigaretten-, Zigarren- und Pfeifenrauchen
als auch Parfüm vermeiden, keine scharfe Speisen servieren
und ein gutes Degustationsglas (ist zwar sauteuer, aber es
wirkt) verwenden.
Nach einer üblichen internationalen
Bewertung (Internationales 20-Punkte-Schema) können
2 Punkte für die Farbe und Klarheit, 4 Punkte für
den Geruch und 12 Punkte für den Geschmack und Gesamteindruck,
also höchstens 20 Punkte vergeben.
Mit dem Augen prüft man
die Farbtiefe, Farbton, Klarheit, Flüssigkeitszustand
und bei Schaumwein die Perlen. Die Farbe beurteilt man
im Licht, indem das Glas etwas schräg zu einer
hellen Flächen (Tischtuch, Papier) hält.
Farbtiefe
Der Farbton verrät den Entwicklungszustand
eines Weine. Junge Weißweine haben eine hellere
Farbe, die im Alter intensiver wird. Junge Rotweine
besitzen eine tiefe, satte, zumeist mit violetten Reflextönen
versehene Farbe, die im Alter zunehmend heller und mehr
oder weniger Brauntöne erhält.
Farbton
Abhängig von Rebsorte, Jahrgang,
Vinifizierung, Extraktgehalt, usw haben Weine ein helleres
Aussehen bzw einen satteren Farbton:
- Farbtöne für Weißwein:
Grünlich-gelb, strohgelb, goldgelb, altgold und bernstein-
bis braunfarbig.
- Farbtöne für Rotwein:
hellrot, purpurrot, rubinrot, granatrot, dunkelrot, blaßrosa,
hellrosa, zart-kirschrosa,
zwiebelfarbig (Schilcher) für Roséweine.
Klarheit
Ein klarer Wein ist brilliant.
Sollte er Trübungen, Trubstoffe aufweisen, kann es
ein Hinweis auf Fehlerhaftigkeit sein.
positive Bezeichnungen: brilliant, klar, hochglänzend,
glanzhell, strahlend
negative Bezeichnungen: staubig, trüb, wolkig, schleierig,
matt, stumpf, gebrochen. Flüssigkeitszustand
gibt Auskunft über seinen Alkohol- und Extraktgehalt.
Durch Schwenken des Glases entstehen Schlieren (Tränen)
an der Glaswand. Je höher der Alkohol und Extrakt,
desto mehr rinnen die Tränen. Schaum (Perlen)
Die Perlen des Sektes sollen nicht zu üppig und zu
grob sein und sie müssen gleichmäßig aufsteigen.
Je länger der Sekt perlt, desto besser.
RIECHEN
Um eine Substanz riechen zu können,
muss sie "flüchtig" sein. Das Organ des Geruchssinnes
ist die Nase. In dieser wird die eigentliche Geruchsempfindung
im obersten Teil der Nasenhöhle durch die in der Schleimhaut
angesiedelten Riechzellen der sogenannten Reizleitung über
die Riechkolben ausgelöst.
Beim Einatmen des Weines nimmt man den Duft wahr, beim Ausatmen
das Aroma. Beides zusammen nennt man das Bukett des Weines.
Bewertung des Geruchs:
|
positiv |
negativ |
| Reintönigkeit |
reintonig, sauber |
dumpf, Korkgeruch, Käseln,
unsauber, fehlerhaft, muffig,
schimmelig, stoppeln |
|
Intensität |
verschlossen, dezent, zart,
ausgeprägt, verdeckt,
verhalten, intensiv, edelfirnig |
neutral, bukettarm, penetrant,
altersfrinig, oxydativ, scharf |
|
Art der Weinaromen
- Allgemein: weinig,
fruchtig, blumig, würzig, nussig, stoffig, chemisch
- Sortenspezifisch:
muskiert, grasig, Pfefferschotte, Pfirsich, Marillen
SCHMECKEN
Das Organ für das Schmecken
ist die Zunge. Die Zunge unterscheidet aber nur vier
Geschmacksempfindungen: süß (Zungenspitze), salzig
(seitlich-vorne Teil des Zungenrandes), sauer (seitlich-hintere
Teil des Zungenrandes), bitter (hintere Teil der Zunge).
Alle anderen wahrgenommenen Empfindungen werden beim Ausatmen
durch den Geruchsinn bemerkt.
Geschmacksprüfung
| |
Sauer |
Süß |
Bitter |
|
Positiv |
mild, frisch, rassig, säurebetont |
trocken, halbtrocken, lieblich, süß,
edelsüß |
samtig, zartherb, herb |
Negativ |
schal, hart, sauer, unreif |
plump, dicksüß, süß-sauer |
verschlossen, adstringierend, rauh, bitter |
|
Harmonie
ist das Gleichgewicht zwischen
Säure und den übrigen Komponenten, wie Restzucker,
Alkohol und Extraktstoffe.
|
Positiv |
rustikal, ehrlich, markant, harmonisch, fruchtig,
finessenreich, elegant |
|
Negativ |
klein, unharmonisch, derb, ausdruckslos, unsauber |
|
Alter
- Positiv: jung,
ausgebaut, reif, edelfirnig
- Negativ: streng,
unfertig, abgebaut, firnig, tot
Körper
ist der Gehalt an Stoffen, die
beim Verdampfen zurückbleiben, das sind Glycerin,
alle nichtflüchtigen Säuren und die nichtflüchtigen
Säuren sowie Restzucker.
- Positiv: schlank,
füllig, kompakt, extraktreich
- Negativ: leer,
dünn, breit
Alkohol
- Positiv: leicht,
kräftig, schwer
- Negativ: mager,
brandig
Sortenspezifischer Geschmack
wird durch die jeweilige Rebsorte
geprägt.
Einige Beispiele:
- würzig-pfeffrig: Grüner
Veltliner
- würzig-nußartig:
Neuburger, Ruländer
- grasig: Sauvignon Blanc, Cabernet
- frische Weichseln: St. Laurent
- saftiger Apfe:l Welschriesling
- Marille, Rosenholz: Riesling
- honigähnlich, Marzipan:
Auslesen bis Trockenbeerauslese
- Vanille, Karamel, Kaffee Geschmack
von Barrique-Fässern
Abgang
ist der geschmackliche Nachklang,
auch "Schweif" genannt. Hat man nach 3-4 Sekunden
noch immer einen intensiven, anhaltenden und gleichen
Geschmack, spricht man von einem kurzen Abgang, circa
8 Sekunden von einem guten oder mittleren Abgang, bei
12 oder mehr Sekunden von einem langen Abgang.
|